Gasparone – 2015

sommeroperette_gasparoneNeben Franz von Suppé und Johann Strauss Sohn gilt Karl Millöcker als der Meister der sogenannten „Goldenen Ära“ der Wiener Operette.

Mit seinem Welterfolg „Der Bettelstudent“ machte er sich finanziell unabhängig – das war 1882.

Doch sollte dieses großartige Werk nicht sein einziger Dauerbrenner bleiben: Der arme Jonathan (eine erste Amerika-Operette) und vor allem der höchst ungewöhnliche Stoff von „Gasparone“, der in der Tradition von „Fra Diavolo“ stand, festigten seinen Ruf als Erfinder eines höchst kunstvollen Partitur, die völlig in der Tradition der Komischen Oper stand. Kein Zufall, dass dieses Werk fast zeitgleich mit „Eine Nacht in Venedig“ entstand, nämlich 1884.

Es war jedenfalls die Zeit, in der eine Wiener Operette nicht in erster Linie aus zugkräftigen Einzeltiteln bestand, sondern mit Musiknummern, die folgerichtig dramaturgisch musikdramatisch plaziert waren.

Als die Schutzfrist (damals nur 30 Jahre) der Werke ablief (sowohl bei Johann Strauß als auch bei Suppé und Millöcker, die alle drei kurz vor der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert 1898 bzw. 1899 verstarben) setzte eine Welle von sogenannten „Bearbeitungen“ ein.

Die damaligen Kollegen gaben vor, die Werke in „modernerem“ Gewande für die Nachwelt erhalten zu wollen, auf dass sie nicht der Vergessenheit anheim fallen würden. Ich will hier gar nicht unterstellen, dass es unlautere Absichten gab – Tatsache ist jedoch, dass die Werke so umgestaltet wurden, dass wir heutzutage von diesen Fassungen der 1930ziger Jahre Abstand nehmen wollen. Ein Werk wie „Gasparone“ wurde mehrfach „geplündert“, für die Bühne (mit Johannes Heesters), für den Musik-Tonfilm (mit Marikka Rökk und Leo Slezak) –

Was passierte:

Die vielen genialen Ensembles, die im Sinne Offenbachs die „große“ Oper parodierten, wurden zertrümmert, einzelne besonders einschmeichelnde Melodien wurden herausgezogen und zu Solo-Nummern verarbeitet, mit denen ein „Star“ brillieren konnte. Diese sogenannten „Hits“ waren populär und wurden vom Volksmund mit Texten bedacht. Aus dem „Carlotta“-Walzer wurde „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da!“ – was sich sogar auf die damalige Mode des Kokain-Konsums bezog. Die Genialität der vorhandenden Partitur wurde zerstört, viele melodische Einfälle einfach gestrichen – und so ganz „nebenbei“ steckten sich diese sogenannten Bearbeiter durch die neuen Tantiemen ihre Taschen voll, das waren Ernst Steffan und Paul Knepler bei „Gasparone“ und Theo Mackeben bei „Dubarry“ – wobei wir wieder bei den „Räubern“ wären…

Statt einer Inhaltsangabe:

„Gesucht wird: Der Räuber Gasparone“ –

Mit diesem Steckbrief beginnt eine Geschichte der Irrungen und Wirrungen. Wir wollen ja nicht zu viel verraten, um die Spannung zu erhalten! Aber es geht in diesem „Verwirrspiel“ um nicht weniger als Korruption, Bestechung, kriminelle Machenschaften – und die große Liebe, natürlich! Und das Ganze findet in Italien statt, wo auch sonst?

Die Hauptpersonen sind: Eine Gräfin namens Carlotta, eine Witwe, deren Erbschaft in Gefahr ist; als „ihr Retter“ profiliert sich der Bürgermeister Nasoni, der völlig „uneigennützig“ hilft und sie gleichzeitig mit Sindulfo, einem Taugenichts von Sohn, verheiraten möchte. Dann gibt es noch den Wirt Benozzo, der neben seiner Kneipe ein illegales Geschäft betreibt; seine bessere Hälfte heißt Sora, die als Gemeindeschwester eine hilfreiche Seele ist – es gibt Schmuggler auf der einen und Gendarmen auf der anderen Seite! Und einen geheimnisvollen Fremden, der in dies sizilianische „Wespennest“ sticht und für reichlich Aufregungen sorgt. Bis letztlich die wahre Liebe siegt! Benozzo und Sora werden ein Paar, auch die Gräfin Carlotta findet ihr Glück.

Nur Zenobia, die altjüngferliche Haushälterin der Contessa, träumt vergebens vom Räuber Gasparone, der sie angeblich kurzzeitig entführt hat. Und nicht nur sie allein. Nein, auch Sindulfo muss daran glauben!

Doch wer ist eigentlich der „Titelheld“ Gasparone? Wann und wo taucht der gefürchtete und „gesuchte“ Räuber auf? Und kommt er mit heiler Haut davon?

Lassen Sie sich überraschen!

P.S. Mit „Gasparone“ gelangt dem Komponisten Karl Millöcker (nach seinem Welterfolg „Der Bettelstudent“) gemeinsam mit seinen Librettisten Friedrich Zell und Richard Genée eine ganz besondere Operette, fernab der üblichen Strickmuster. Die Kriminalgeschichte ist zeitlos originell, amüsant gestaltet und musikalisch hinreißend umgesetzt, mit vielen populär gewordenen Melodien wie „Er soll dein Herr sein, wie stolz das klingt“, dem Carlotta-Walzer oder „Auf dass ich doch der Räuber wär‘!“

Bearbeitung für die Pramtaler Sommeroperette 2015 basierend auf der musikalischen Original-Fassung von Karl Millöcker

Claus J. Frankl


Carlotta, verwitwete Gräfin Santa Croce: Eva Maria Kumpfmüller
Zenobia, ihre Hausdame: Adelheid Brandstetter
Nasoni, Bürgermeister von Syrakus: KS Josef Forstner
Sindulfo, sein Sohn: Martin Kiener
Erminio, ein geheimnisvoller Unbekannter: Adam Sanchez
Sora, Gemeindeschwester: Christine Ornetsmüller
Benozzo, Kneipenwirt: Harald Georg Wurmsdobler
Silvio, sein Pate: Claus J. Frankl
Benito, dessen Sohn: Michael Zallinger
Luigi und Marco, Gendarmen: Michael Kaltseis und Stefan Sommergruber

Intendanz: Harald Wurmsdobler
Salonorchester sINNfonietta
Künstlerische Leitung: Gerald Karl
Regie: Manuela Kloibmüller
Dramaturgie und Textfassung: Claus J. Frankl
Ausstattung: Isabella Reder
techn. Leitung: Konstantin von Jenny
Maske: Pascal Richter


Fotos: © Christian Himsl

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